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Eine Tool-Box für den Notfall
Am Dienstag, den 30. September 2008

Freunde - Was ist man ohne sie? Wahrscheinlich ausgeschlafener, denn mit steigendem Computer-Wissen mehren sich auch die Hilfe-Gesuche. Ein Glück, dass ich immer meinen "Schweizer-Messer-USB-Stick" mit allen wichtigen Tools dabei habe!


Egal um welche Uhrzeit, egal an welchem Tag und zu welcher Situation - mehrmals pro Tag fragen mich runde Kulleraugen nach Hilfe, wenn es mal wieder Probleme mit dem heißgeliebten PC gibt. Eigentlich kein Problem, denn schließlich wäscht die eine Hand die andere und was tut man nicht alles für Freunde? Für sie geht man auch an einem Montagmorgen um vier Uhr ans Telefon, weil man denkt, dass Sandmännchen hätte sich verwählt. Am anderen Ende der Leitung hört man allerdings nicht das müde Sandmännchen, sondern einen müden Studenten mit zittriger, der heute seinen Abgabetermin für die Hausarbeit hat, aber auf die lustige Idee kam, sich die letzten Stunden vor der Abgabe mit gehirnlosen Surfen zu vertreiben. Als Ergebnis der kleinen Surf-Tour lässt sich der Rechner nicht starten und die Hausarbeit ist noch längst nicht ausgedruckt - ein Fall für meine Tool-Box!

Mit dieser Tool-Box in der Tasche muss ich noch nicht mal meine Hose an diesem Morgen anziehen, denn ich habe alles dabei, was ich für die Reanimation geschrotteter Rechner brauche. Nur fehlt mir die Tasche für meine Tool-Box, was mich in montaglicher Schlaftrunkenheit dazu bewegt, doch ein Beinkleid überzuwerfen und der Tool-Box ein warmes Zuhause zu bescheren. So und mit noch mehr Opportunismus in der Tasche mache ich mich auf die Socken zum verzweifelten Studenten, damit ich das Werk seiner letzten zwei Monate Arbeit retten kann. Voller positiver Energie stehe ich vor seiner Haustür, um mich dann über den Studentenberg aus Pizzakartons zum Rechner durchzuschlagen. Der Rechner ähnelt seinem Besitzer; zerfleddert, wortkarg und aschfahl. Nichts geht mehr - Mouse eingefroren, Tastatur reagiert nur sporadisch und die Festplatte hört sich an wie ein Dosenöffner. Zeit für meine Tool-Box!

Auf dem USB-Stick befindet sich der "Offline NT Password & Registry Editor" in einer Boot-Variante, so dass ich damit den Rechner auch vom USB-Stick starten kann. Die pfiffige Software kann vergessene Windows-Passwörter, wie sie zur Anmeldung am PC notwendig sind, zwar nicht auslesen oder im Klartext darstellen, aber dafür kann ich damit ein Passwort zurücksetzen (bei Aussperrung) oder das Passwort durch ein anderes Passwort ersetzen. Schon oft hat mir diese kleine Software geholfen, einen ehemals unzugänglichen Rechner wieder zugänglich zu machen. Ein MUSS für jeden Administrator!

Mit dem gelöschten Passwort kann ich mich endlich am Rechner anmelden und mache mich auf die Suche nach den Dateien der Hausarbeit, die sich irgendwo in den Eigenen Dateien versteckt haben. Aber wie soll ich an die Eigenen Dateien kommen, wenn ein Virus den Rechner fast komplett verkrüppelt hat; der Windows-Explorer beendet sich alle 20 Sekunden mit einem Fehler, eine DOS-Eingabe ist auch nicht möglich und vom Taskmanager will ich erst gar nicht reden. Gut, dass ich auch in diesem Fall die Lösung auf meinem USB-Stick habe. Mit "Greg's DOS Shell" kann ich auf die DOS-Eingabe pfeifen und dennoch meine Befehle eintippen. So kann ich mich manuell auf die Suche nach den Dateien machen und diese unter lautem Jauchzen des Studenten auf meinen USB-Stick sichern. Weil ich aber schonmal da bin, schmeiss ich den "FreeCommander" an, der sich ähnlich wie alle vorgestellte Software nicht zuerst installieren muss, damit er auch ordentlich funktioniert. Ein einfaches Kopieren der Programmdateien auf den USB-Stick und der "FreeCommander" ist einsatzbereit und freut sich, die Arbeit des klassischen Windows-Explorers zu übernehmen.

Dennoch will ich der Ursache auf den Grund gehen und starte direkt den "Process Explorer", der den Task-Manager von Windows ersetzt und mir ebenfalls eine Liste mit Prozessen bereitstellt. Hier kann ich nachschauen, ob ein Virus aktiv ist und mit welchem Namen er sich getarnt hat. Ist ein Virus gesichtet und die Virensoftware schon von ihm deaktiviert worden, fällt es meist schwer, noch einen weiteren Virenscanner zu installieren. Hier werfe ich immer gerne einen Blick in die Registrierungsdatenbank von Windows, die sich mit dem internen Programm "regedit" besichtigen und editieren lässt. Nur wie starte ich "regedit", wenn ich kein Startmenu und damit auch keinen "Ausführen"-Dialog habe? Ganz einfach - mit "RunMimic". "RunMimic" ersetzt den "Ausführen"-Dialog, so dass man auch dann noch Windows-Programme starten kann, wenn noch nicht mal ein Start-Menu zu sehen ist. Voller Hoffnung tippe ich das magische "regedit" ein, um dann festzustellen, dass der Virus das kleine Windows-Programm einfach gelöscht hat. Es wird Zeit für "RegAlyzer" aus meiner Tool-Box. Er kann selbst dann noch die Registrierungsdatenbank einlesen, wenn das vom Virus unterbunden wird. Mit ein wenig Glück findet man den Schädling auch in der Registry und kann diesen mit noch mehr Glück auch deaktivieren.

Als Belohnung für die PC-Rettung wird mir ein kaltes Stück Pizza, ein kalter Kaffee und ein kalter Händedruck angeboten. Ich nehm´ die Hand, schüttel sie und freue mich schon auf meinen nächsten frühmorgendlichen Zwischenfall mit dem Gesetz. Bis dahin sollte aus dem Studenten ein Rechtsanwalt geworden sein und dann wirds Zeit seine Schulden einzutreiben :)
veröffentlicht am 30.09.08
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