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Schallschutz für Schweinswale

Gutachten belegt Wirksamkeit von Blasenvorhängen bei Unterwasser-Munitionssprengungen

Kiel (ddp-nrd). Ein sogenannter Blasenschleier soll bei Munitionssprengungen in der Ostsee künftig die vom Aussterben bedrohten Schweinswale schützen. «Mit der von der Forschungsanstalt für Wasserschall und Geophysik in Kiel vorgelegten Studie ist die Wirksamkeit von Blasenvorhängen zum Schallschutz nun auch bei Sprengungen nachgewiesen», sagte die Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), Petra Deimer, am Mittwoch. Blasenvorhänge wurden bereits beim Rammen von Fundamentpfählen für Windparks getestet.

Umweltschützer warnen seit Jahren vor den Auswirkungen von Munitionssprengungen für die vom Aussterben bedrohten Schweinswale. Nach Kritik von Umweltverbänden wurden deshalb Ende 2006 Sprengungen in der Kieler Außenförde im Bereich der sogenannten Kolberger Heide abgebrochen. Dort waren nach Ende des Zweiten Weltkriegs etwa 120 Torpedoköpfe, Grund- und Ankertauminen mit einem Sprengstoffgewicht von bis zu 350 Kilogramm des hochbrisanten maritimen Sprengstoffs «Schießwolle 39» versenkt worden.

Zum Test der Blasenvorhänge hatte der Kampfmittelräumdienst in der Kolberger Heide Probesprengungen vorgenommen. Im Ergebnis reduziert der Blasenschleier nach Angaben des schleswig-holsteinischen Innenministeriums den für die Schweinswale gefährlichen Bereich bei Sprengungen um bis zu 98 Prozent. Für einen weiteren Schutz bei künftigen Sprengungen sollen Vergrämungstechniken angewandt werden. «Wann die neu entwickelten Methoden zum Einsatz kommen, steht noch nicht fest», sagte Innenstaatssekretär Ulrich Lorenz. Dies soll mit der Wasser- und Schifffahrtsdirektion sowie den Naturschutzverbänden erörtert werden.

Die Naturschutzverbände NABU und GSM sowie die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) fordern, dass Blasenvorhänge bei unvermeidbaren Sprengungen zu einer Standardmethode werden. Außerdem verlangenen sie den Test weiterer umweltfreundlicher Verfahren.

Nach Angaben der Verbände sind in der Kolberger Heide im kommenden Winter weitere Sprengungen von bis zu 90 Munitionsteilen mit je 150 bis 350 Kilogramm Sprengstoff geplant. Zu dieser Zeit könnten allerdings in der Kieler Bucht Schweinswale der akut vom Aussterben bedrohten östlichen Schweinswal-Population vorkommen. Ohne Schutz könnten die Schockwellen Schweinswale und andere Meerestiere im Umkreis vieler Kilometer töten oder Gehörschäden bei den Tieren verursachen.

(ddp)

veröffentlicht am 15.10.2008 16:37Uhr
 
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