Harriet Bruce-Annan finanziert ghanaischen Slumkindern eine Schulausbildung
Düsseldorf (ddp-nrw). Harriet Bruce-Annan hat eine seltsam anmutende Freizeitbeschäftigung. Wenn andere Feierabend machen, putzt sie die Toiletten in Düsseldorfer Altstadtkneipen. Doch reich werden will die 41-jährige Afrikanerin mit dem zusätzlichen Geld nicht. Vielmehr will sie Kindern in ihrem Heimatland Ghana eine Schulbildung und damit eine bessere Zukunft ermöglichen.
«Es war ein Kindheitstraum», sagt Harriet und strahlt über das ganze Gesicht. Sie selbst, aus einer relativ wohlhabenden Familie stammend, habe bereits früh bemerkt, dass es Gleichaltrigen in ihrer Stadt wesentlich schlechter ging. Wenn sie ihre Oma im Armenviertel der ghanaischen Hauptstadt Accra besuchte, sah sie andere Kinder mit aufgeblähten Hungerbäuchen und ohne Kleidung herumlaufen. «Wenn ich etwas gegessen habe, haben sie mir mit großen Augen zugeschaut», erinnert sich die 41-Jährige. Damals schwor sie sich, den Kindern zu helfen, sobald sie konnte.
Der Liebe und einer besseren Ausbildung wegen zog sie 1990 nach Deutschland. Ihr Mann, ein Engländer, hatte der ausgebildeten Computerfachfrau versprochen, dass sie in Deutschland einen Aufbaustudiengang belegen könnte. Doch dazu sollte es nie kommen.
In der neuen Heimat angekommen, begann ihr Mann, sie zu schlagen und befahl ihr, putzen zu gehen. «Ich habe nur noch geweint und mich gefragt: Wofür habe ich in Ghana studiert?», erinnert sich Harriet.
Neun Monate ertrug sie die Prügeleien. Doch in einer Winternacht, in der sie wieder einmal barfuß und nur mit einem Nachthemd bekleidet im Hof hinter ihrer Wohnung stand, brachte eine Nachbarin sie ins Düsseldorfer Frauenhaus.
Nachdem ihr dort ein Job als Pflegehelferin vermittelt worden war, kehrte sie zu ihrem Mann zurück - in der Hoffnung auf einen Neuanfang. Doch bereits nach einer Woche bedrohte ihr Mann sie erneut. Wieder flüchtete sich Harriet ins Frauenhaus, nahm einen neuen Job bei der Reinigungsfirma der Düsseldorfer Messe an und lernte Deutsch. «Ich wollte endlich selbstständig in Deutschland leben.»
Sobald sie ein wenig Geld übrig hatte, schickte sie es für die Schulausbildung von Kindern nach Ghana. «Anfangs war es nur ein Kind, für das ich Essen und Kleidung bezahlte und dafür sorgte, dass es bei meiner Familie in Accra leben kann», berichtet sie. Schon bald war ihr das nicht mehr genug. «Ich nahm den zusätzlichen Putzjob in Düsseldorfer Altstadtkneipen an, um mehr Geld für die Kinder zu bekommen.» Bis 5.00 Uhr morgens ist sie nun teilweise in der Altstadt unterwegs. Bereits wenige Stunden später beginnt ihr Job in der Düsseldorfer Messe.
2002 schließlich gründete sie den Verein «African Angel», nahm ihr Putzgeld und Spenden und mietete in einem vornehmen Viertel von Accra ein Haus für 26 Kinder. Dort leben die Kinder nun zusammen mit drei Erwachsenen, die für sie waschen, kochen, putzen oder ihnen einfach nur zuhören.
Zugleich besorgte Harriet den heute 6- bis 15-Jährigen Plätze in guten Kindergärten und Schulen. «Dort lernen sie gemeinsam mit Kindern von Ministern», sagt die kleine Afrikanerin stolz. Und mit ihren Leistungen bräuchten sie sich nicht zu verstecken: «Manche unserer Kinder haben bereits mehrere Klassen übersprungen.»
Doch selbst das reicht Harriet noch nicht. Bereits im Dezember will sie nach Accra fliegen, um ein Haus für bis zu 100 Kinder zu kaufen. «Bestimmt 600 Kinder warten auf einen Platz bei uns», sagt sie und fügt hinzu: «Wir geben den Kindern eine Chance, die sie in den Slums nie gehabt hätten.»
(ddp)






